Industriegeschichte Messel

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1860 - 1884
Das Ölschiefervorkommen "Messeler Braunkohle" wird entdeckt. Als Brennmaterial war die "Braunkohle" ungeignet; jedoch die Inhaltsstoffe des Ölschiefers versprachen Gewinnmöglichkeiten: Rohöl konnte daraus erschwelt werden.

1884 - 1900
Zum Zweck der Ausbeutung des Ölschiefers wird der Bergbaubetrieb "Gewerkschaft Messel" gegründet. Zweck: Gewinnung von Teer und Paraffin.
In diesen Jahren wurden geeignete Verfahren gesucht, um eine wirtschaftliche Rohölgewinnung zu erreichen. Schließlich wurden speziell für Messel Schwelöfen entwickelt. Die Beheizung des Schwelgutes erfolgte von innen.

1900 - 1924
Die neuen Rundöfen, die eine Ausbeute von 95% Rohöl brachten, festigten das Werk. Neben Paraffin und Teer werden auch Benzin und Diesel wichtige Produkte.

1924 - 1945
Die "Gewerkschaft Messel" geht in den IG-Farben-Konzern über. Das technische know-how dieses Chemiegiganten verbessert die Leistungsfähigkeit des Mineralölwerkes. 1924 erzeugt Messel ca. 25% der gesamtdeutschen Erdölproduktion. 1945 wird das Werk durch Bordwaffenbeschuß stark beschädigt. Durch den Ausfall der Versorgungs-leitungen verschlackten die Schwelöfen und wurden zerstört.

1945 - 1953
Das Werk als Teil der IG-Farben wird unter amerikanische Verwaltung gestellt. Vorkriegsproduktion wird rasch wieder erreicht.

1954 - 1962
Die "Paraffin- und Mineralölwerk Messel GmbH" wird gegründet. Die Konkurrenz des Erdöls läßt die Erträge schrumpfen. Erste Umweltgesetze schaffen Probleme, soziale Leistungen werden nicht mehr bezahlbar, eine weitere Steigerung der Produktion ist nicht möglich: Im März 1962 wird der Kern des Werkes, die Schwelerei, stillgelegt.

Produktionszahlen des Messeler Tagebaus 1888 - 1962

Was wurde produziert?
Bei der Verschwelung wurde Rohöl gewonnen, das in der Raffinerie aufbereitet wurde. Zum Verkauf kamen:

Paraffin (zur Kerzenherstellung)
Benzin, Heizöl, Diesel
Koks zur Farbenproduktion
Koks als Elektrodenkoks
Tumenol (Medikament "Teersalbe")

Mülldeponie oder Fossilienfundstätte?
Das durch den Tagebau entstandene Loch von 25 Mio m³ Rauminhalt sollte mit Müll "rekultiviert" werden. Wegen der Bedeutung als Fossilfundstätte erhoben sich weltweit Proteste. Trotzdem erfolgte ein Ausbau zur Deponie.
Der Einsatz der Gemeinde Messel und der Bürgerinitiative in Messel hat letztlich nach langem Prozessieren dazu geführt, daß die Müllpläne zu Fall kamen. Danach ging 1991 die Grube Messel in den Besitz des Landes Hessen über.

1995 Aufnahme in die "World Heritage List" der UNESCO
Die überragende Bedeutung der durch den Tagebau entdeckten Fossilien führte im Dezember 1995 zur Aufnahme in die Liste des Weltnaturerbes der UNESCO.



Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
Museumsverein Messel e.V.